Tesamorelin 10mg – GHRH-Analogon aus der Forschung zum viszeralen Fettgewebe
Tesamorelin ist ein synthetisches Analogon des körpereigenen Wachstumshormon-Releasing-Hormons (GHRH) und wurde vom kanadischen Unternehmen Theratechnologies entwickelt. Es besteht aus der vollständigen 44-Aminosäuren-Sequenz des humanen GHRH, die am N-terminalen Tyrosin um eine trans-3-Hexenoyl-Gruppe erweitert ist. Diese kleine Modifikation schützt das Peptid vor dem schnellen Abbau durch das Enzym Dipeptidylpeptidase-4 (DPP-4) – natives GHRH wird dadurch innerhalb weniger Minuten inaktiviert.
Bekannt wurde Tesamorelin durch die Phase-III-Studie von Falutz et al. (New England Journal of Medicine, 2007): Bei 412 Teilnehmern mit HIV-assoziierter Fettverteilungsstörung sank das viszerale (innere Bauch-)Fettgewebe nach 26 Wochen um 15,2 %, während es in der Placebogruppe um 5 % zunahm. 2010 erfolgte die US-Zulassung unter dem Markennamen Egrifta. Eine spätere randomisierte Studie (Stanley et al., Lancet HIV, 2019) zeigte zudem eine relative Reduktion des Leberfettanteils um 37 % gegenüber dem Ausgangswert. Dieses 10mg-Vial eignet sich für Forschungsansätze rund um die GH-/IGF-1-Achse, viszerales Fettgewebe und Leberfettstoffwechsel.
Wirkungsmechanismus
Tesamorelin bindet an den GHRH-Rezeptor der somatotropen Zellen im Hypophysenvorderlappen und regt dort die Synthese und pulsatile Ausschüttung von körpereigenem Wachstumshormon (GH) an. In der Folge steigt die IGF-1-Produktion in der Leber. Anders als bei der direkten Gabe von Wachstumshormon bleibt dabei die physiologische Rückkopplung über Somatostatin erhalten. Die Effekte auf das Fettgewebe werden vor allem einer gesteigerten Lipolyse – bevorzugt im viszeralen Fett – mit anschließender Senkung der Triglyceridspiegel zugeschrieben.
Technische Spezifikationen
| Eigenschaft | Details |
|---|---|
| Produktname | Tesamorelin (TH9507, [trans-3-Hexenoyl]-hGHRH(1-44)-Amid) |
| CAS-Nummer | 218949-48-5 |
| Menge | 10mg |
| Form | Lyophilisiertes Pulver |
| Sequenz | (trans-3-Hexenoyl)-Tyr-Ala-Asp-Ala-Ile-Phe-Thr-Asn-Ser-Tyr-Arg-Lys-Val-Leu-Gly-Gln-Leu-Ser-Ala-Arg-Lys-Leu-Leu-Gln-Asp-Ile-Met-Ser-Arg-Gln-Gln-Gly-Glu-Ser-Asn-Gln-Glu-Arg-Gly-Ala-Arg-Ala-Arg-Leu-NH₂ |
| Molekülformel | C₂₂₁H₃₆₆N₇₂O₆₇S |
| Molekulargewicht | 5135,86 g/mol |
| Reinheit | ≥98,9 % (HPLC) |
| Analyse | HPLC / LC-MS |
| Lagerung | 2–8 °C |
Lagerung: Bei −20 °C (Langzeit); nach Rekonstitution bei 4 °C, zeitnah verwenden. Vor Licht und Feuchtigkeit schützen.
Quellen: Falutz J. et al., „Metabolic Effects of a Growth Hormone–Releasing Factor in Patients with HIV“, New England Journal of Medicine, 2007;357(23):2359-2370 — Stanley T.L. et al., „Effects of tesamorelin on non-alcoholic fatty liver disease in HIV: a randomised, double-blind, multicentre trial“, The Lancet HIV, 2019;6(12):e821-e830
Haftungsausschluss: Nicht für den menschlichen oder veterinärmedizinischen Gebrauch bestimmt. Nur für Laborforschungszwecke. Nicht für diagnostische oder therapeutische Zwecke.
Rekonstitution: Beispielrechnung
Für eine Arbeitskonzentration von 10 mg/ml wird das 10-mg-Vial mit 1 ml sterilem Bakteriostatischem Wasser (BAC Water) rekonstituiert. Das Wasser langsam an der Gefäßinnenwand entlang einspritzen und das Vial vorsichtig schwenken statt zu schütteln.
Häufig gestellte Fragen
Worin unterscheidet sich Tesamorelin von GLP-1-Peptiden wie Retatrutid?
GLP-1-basierte Peptide wie Retatrutid wirken über Inkretin-Rezeptoren auf Appetit und Blutzucker. Tesamorelin setzt an einer ganz anderen Stelle an: Es stimuliert über den GHRH-Rezeptor die körpereigene Wachstumshormon-Ausschüttung und wird vor allem im Zusammenhang mit viszeralem Fett und Leberfett erforscht.
Wird Tesamorelin mit anderen Peptiden kombiniert erforscht?
In der Forschung werden GHRH-Analoga häufig zusammen mit Ghrelin-Mimetika wie Ipamorelin untersucht, da beide über unterschiedliche Rezeptoren an der GH-Freisetzung beteiligt sind und sich so synergistische Effekte erfassen lassen.
Qualitätssicherung
Jede produzierte Charge durchläuft eine unabhängige Doppelprüfung: HPLC-Analyse zur Bestimmung der Reinheit sowie LC-MS-Analyse zum eindeutigen Nachweis von Molekülmasse und korrekter Peptidsequenz. Erst nach bestandener Prüfung wird eine Charge freigegeben.






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